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Klima im Pfaffenwinkel

Lufthygienische Situation und Schadstoffeintrag im Landkreis

Außer den vielfältigen Messungen zur vertikalen Verteilung von Luftschadstoffen in der Atmosphäre, die vom Meteorologischen Observatorium auf dem Hohenpeißenberg durchgeführt werden, liegen kaum Informationen zur allgemeinen lufthygienischen Situation im Landkreis vor.

In den  Jahren 1997 bis 2000 wurden einige Luftinhaltsstoffe durch das Bayerische Landesamt für Umweltschutz, Augsburg, am östlichen Stadtrand von Weilheim (Narbonner Ring) erfasst. Vor dem Hintergrund der intensiven Diskussion zur Problematik des bodennahen Ozons wurde die Messstation errichtet, um insbesondere die Ozonsituation in einem Gebiet zwischen dem Ballungszentrum München, wo viele Vorläufersubstanzen emittiert werden, und dem bayerischen Alpenraum zu ermitteln. Bekanntlich werden gerade dort die höchsten Konzentrationen während des strahlungsreichen Sommerhalbjahres beobachtet. Die Ergebnisse sind in Tab. 1 dargestellt.

Hinsichtlich Ozon herrschen in Weilheim die im Alpenvorland typischen Ozonkonzentration vor. Richtung Landeshauptstadt und mit zunehmender Meereshöhe nehmen sowohl die mittleren als auch maximalen Belastungen tendenziell eher zu. Direkt an viel befahrenen Straßen (vgl. München-Stachus), wo  Stickoxide in erheblichem Umfang durch den Verkehr emittiert werden, sind durch Ozonabbau insbes. während der Nachtstunden maximale und mittleren Konzentrationen geringer.  

Tab. 1:  Ozon und Stickstoffoxide in Weilheim im Vergleich zur Innenstadt München und zum Wank (Konzentrationen in µg/m3) [Bayerisches Landesamt für Umweltschutz]

 

 

Weilheim-Narbonner R.

Mümchen-Stachus

Garmisch-P. - Wank

 

MW

HW

MW

HW

MW

HW

O3 1997

44

173

25

135

93

179

O3 1998

51

178

29

153

91

206

O3 1999

51

157

30

147

93

156

O3 2000

 

147

26

157

93

190

NO 1999

3

153

68

761

0

7

NO 2000

 

94

63

478

0

4

NO2 1999

13

105

64

236

2

30

NO2 2000

 

86

61

164

2

19

 

 Die Stickstoffoxid-Werte von Weilheim zeigen die wesentlich geringere Verkehrsbelastung am Narbonner Ring im Vergleich zum Stachus in München an. In gering belasteten ländlichen Gegenden des Landkreises liegen die mittleren Stickstoffdioxidwerte im einstelligen Bereich und liegen bei rund 5 µg/m3 (Hohenpeißenberg). Angesichts der wenig spektakulären Immissionssituation in Weilheim wurde die Messstation 2001 vom LfU wieder abgebaut. Schwefeldioxid spielt seit einigen Jahren auch im Landkreis keine Rolle als Luftschadstoff mehr. 

Infolge des langsam zurückgehenden Emission der Vorläufersubstanzen von Photooxidantien (Stickstoffoxide und flüchtigen Kohlenwasserstoffe) ist wohl auch im Landkreis Weilheim-Schongau von einem schwach rückläufigen Trend zumindest bei den Spitzenbelastungen beim Ozon (Schwellenwerte von 180 und 240 µg/m3) auszugehen; allerdings sind zukünftig Überschreitungen möglich, da eine Koppelung mit der Witterung vorliegt. In den Sommermonaten 2003 wurden in Bayern die bislang höchsten Monatsmittel der Ozonkonzentration von bis zu 125 µg/m3 gemessen.  

Vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit GmbH, Neuherberg, wurde mit integrierenden Messmethoden,  sog. Passivsammlern, Ammoniak auch im östlichen Bereich des Landkreises gemessen (M. Kirchner et al., 2004). Ammoniak wird in der Landwirtschaft und vermehrt auch aus dem Verkehrsbereich (Katalysatorfahrzeuge) emittiert. Ammoniak wandelt sich relativ schnell in Ammonium (-sulfat, -nitrat) um und wird durch den Niederschlag wieder deponiert. Die bei Antdorf, Habach und Sindelsdorf und in den benachbarten Landkreisen Garmisch-Partenkirchen (Riegsee), Bad Tölz (Eurasburg, Benediktbeuren, Kochel) und Starnberg (Gauting, Berg) durchgeführten Ammoniakmessungen ergaben in der Nähe von Quellen (Gülleausbringung, Nähe zu Bauernhöfen) Jahresmittelwerte von z.T. deutlich über 10, an der Autobahn München-Garmisch-Partenkirchen um 5, in Hochmooren 2 – 3 und in Waldgebieten Werte von < 2 µg/m3. Typisch ist dabei, dass um die Quellen die Konzentrationen in der Luft stark abnehmen.

Dass mit Ausnahme an viel befahrenen Straßen (Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe, Feinstaub) im Pfaffenwinkel hinsichtlich der betrachteten Luftschadstoffe kaum Überschreitungen von Grenzwerten zum Schutz der menschlichen Gesundheit auftreten, bedeutet nicht, dass vor allem stickstoffhaltige Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft nach wie vor zu hoch sind: Empfindliche Ökosysteme wie Wälder und Moore empfangen vielfach bis zur doppelten Menge dessen, was zum Schutz der Vegetation (vor Überdüngung o.ä.) tolerabel wäre. Messungen am Höllfilz (Antdorf) haben ergeben, dass der jährliche Eintrag über den Niederschlag 10 kg/ha überschreitet, dass die theoretisch abgeleitete Gesamtdeposition allerdings mehr als 16 kg/ha beträgt. Für quellennahe Standorte (Landwirtschaft und Verkehr), insbesondere wenn diese bewaldet sind, können 30 kg/ha Stickstoff  erreicht werden; Waldränder sind hierbei besonders betroffen. Wenn auch die meisten Böden im Alpenvorland noch nicht stickstoffgesättigt sind (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, 2004), so sind Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft und dringend nötig.

 
 

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